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Stell dir eine ruhige Straße in Agia Napa oder Limassol Anfang Juni vor, wenn die Wärme schon in der Luft liegt. Plötzlich leuchtet das ganze Blätterdach in Scharlachrot und Orange, als hätte jemand lebendige Flammen über die Äste gelegt. Das ist der königliche Flammenbaum Zyperns – so spektakulär, dass Einheimische wie Besucher jeden Sommer stehenbleiben und staunen.

Die königliche Flamme in der Familie der Hülsenfrüchtler

Delonix regia gehört zur großen Familie der Fabaceae (Hülsenfrüchtler), genauer zur Unterfamilie Caesalpinioideae – derselben Gruppe wie Johannisbrotbaum, Sennes und viele prachtvolle Tropenbäume. Die Gattung Delonix ist klein, mit nur wenigen Arten, fast alle auf Madagaskar und den umliegenden Inseln heimisch. Auf Zypern heißt der Baum Φλαμπουγιάν (Flambouyian) oder Βασιλική Ποιντσιάνα (Vasiliki Pointsiána) – Namen, die an den französischen Spitznamen „flamboyant“ (auffällig, flammend) und das ältere wissenschaftliche Synonym Poinciana regia erinnern. Der Gattungsname stammt aus dem Altgriechischen: delos (sichtbar, auffällig) + onyx (Klaue) – eine treffende Beschreibung für die langen, klauenartigen Blütenblätter, die jede Blüte wie einen kleinen exotischen Vogel wirken lassen.

Von Madagaskar an Zyperns Küsten

Der königliche Flammenbaum stammt aus den trockenen Laubwäldern Madagaskars und war in der Wildnis bis in die 1930er Jahre der Wissenschaft unbekannt – obwohl Händler und Gärtner ihn schon seit Jahrhunderten in den Tropen verbreitet hatten. Im 19. Jahrhundert gelangte er als begehrter Zierbaum ins Mittelmeergebiet, und auf Zypern wurde er ab der Mitte des 20. Jahrhunderts populär. Gärtner und Kommunen pflanzten ihn wegen seiner unvergleichlichen Farbenpracht und dem großzügigen Schatten, besonders in Küstenstädten mit milden Wintern. Anders als Eukalyptus oder Akazien, die aus praktischen Gründen eingeführt wurden, kam der Flamboyant allein, um das Auge zu erfreuen – mit großem Erfolg.

Dramatische Schönheit mit Anmut

Delonix regia wird zu einem breiten, schirmförmigen Baum von 10–15 Metern Höhe (manchmal auch mehr) mit glatter, grauer Rinde und weit ausladenden Ästen. Die Blätter wirken herrlich farnartig – doppelt gefiedert, bis zu 50 cm lang, mit Hunderten kleiner, länglicher Fiederblättchen, die sich nachts leicht zusammenlegen. Im Sommer wirft der Baum kurz vor der Blüte einen Großteil seines Laubs ab, sodass die Äste wie von reinem Feuer bedeckt erscheinen: große Dolden mit 8–12 cm großen Blüten in leuchtendem Scharlach-Orange, mit fünf ausgebreiteten Blütenblättern (vier kräftig rot, eines größer und oft gelb- oder weiß gezeichnet) und langen, hervorstehenden Staubblättern. Später folgen flache, holzige Schoten von bis zu 60 cm Länge, die wie riesige Bohnen herabhängen und im Wind klappern. Auf Zypern gedeihen die Bäume in gut drainierten Böden und voller Sonne, und nach einem trockenen Frühjahr blühen sie besonders üppig.

Feurige Überraschungen

• Der Name „Royal Poinciana“ ehrt den Gouverneur der Karibikinsel St. Kitts aus dem 18. Jahrhundert, der den Baum liebte.
• Jede einzelne Blüte hält nur ein bis zwei Tage, doch der Baum bildet Tausende – so entsteht über Wochen hinweg ein durchgehendes „Flammen“-Bild.
• Abgefallene Blütenblätter färben den Boden rot – auf Zypern spricht man manchmal von „rotem Regen“.
• Bienen und Nektarvögel lieben den Nektar; auf Zypern sind die Blüten eine beliebte Nahrungsquelle für Honigbienen im späten Frühjahr.
• Die harten Samen wurden früher als Perlen verwendet, und das weiche Holz eignet sich für wunderschöne, leichte Schnitzereien.

Mehr als nur ein Hingucker

In Zyperns mildem Küstenklima bleibt der Flamboyant fast immergrün, verliert aber in den trockensten Monaten kurzzeitig sein Laub. Er verträgt Salzsprühnebel und übersteht Trockenheit, sobald er eingewurzelt ist – ideal für Gärten am Meer. Er gilt hier nicht als invasiv und bleibt brav in den angelegten Bereichen. Wie der Jacaranda, den wir schon vorgestellt haben, wird er einzig wegen seiner Schönheit und seines Schattens gepflanzt, nicht für Holz oder Früchte. Auf der Roten Liste der IUCN ist die Art als „Least Concern“ eingestuft – dank ihrer enormen Verbreitung in Kultur weltweit.

Wie Zypern heute aufblüht

In unseren heißen, sonnigen Sommern bringt der königliche Flammenbaum einen Hauch Tropenfarbe, der einfach guttut. Man sieht ausgewachsene Exemplare in Straßen von Agia Napa, Pafos und Limassol, in Parks und in privaten Gärten. Während sich der Naturschutz in Wildgebieten auf heimische Pflanzen konzentriert, behauptet diese flammende Schönheit in Städten und an der Küste ihren Platz – pflegeleicht und wirkungsvoll, ein Baum, der Zypern noch lebendiger und einladender macht.

Das Feuer mit eigenen Augen sehen

Am schönsten sind Zyperns Flammenbäume im Juni und Juli. Mach einen entspannten Spaziergang oder eine Fahrt durch die Küstenalleen von Limassol, durch die Straßen von Agia Napa oder die Gärten rund um Pafos. Achte auf die breit ausladenden Kronen, die komplett scharlach-orange leuchten. Parke sicher, stell dich unter die Äste und lausche dem Summen der Bienen, während helle Blütenblätter wie Konfetti herabrieseln. Viele öffentliche Anlagen und Hotelgärten zeigen prächtige Exemplare, und die Szenerie ist so eindrücklich, dass du sie, sobald dir die federartigen Blätter und die klauenförmigen Blütenblätter vertraut sind, überall wiedererkennst – und alltägliche Wege sich in feurige Festzüge verwandeln.

Ein Farbenfeuer, das man feiern sollte

Weit gereist aus seiner Heimat Madagaskar, ist der königliche Flammenbaum zu einem geliebten Sommersymbol Zyperns geworden. Seine lodernden Blüten zeigen, dass Schönheit aus der Ferne unsere Landschaft bereichern kann, ohne ihr zu schaden – mit Freude, Schatten und Farbe für die Orte, an denen wir leben und die wir besuchen. Wenn du das nächste Mal einen Baum vor tiefblauem Himmel glühen siehst, bleib kurz stehen und lächle – dieser prächtige „Flamboyant“ feiert still Zyperns lange Tradition, eindrucksvolle grüne (und rote) Gäste willkommen zu heißen und sie Teil der bunten Inselgeschichte werden zu lassen.

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